Bachblütentherapie – was bringt sie wirklich?

BioBella | 30. April 2015 19:28 Uhr

Es gibt sie als Tropfen oder Cremes und für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete: Bachblüten sind nicht nur den Anhängern von homöopathischer Alternativmedizin ein Begriff. Der größte Teil der Bundesbürger hat schon einmal davon gehört. Aber wie wirksam ist die Therapiemethode wirklich?

Nachfrage nach Bachblüten hoch

Es gibt viele alternativmedizinische und ganzheitliche Konzepte, doch keines ist hierzulande so bekannt wie die Bachblütentherapie. Die Geschichte der Bachblüten beginnt in den 30er Jahren, als ein Mediziner namens Edward Bach ein neuartiges Verfahren vorstellt, mit dem das Verhältnis zwischen Körper und Geist harmonisiert werden soll. Bach war der Ansicht, dass die meisten physischen Gebrechen auf einer seelischen Gleichgewichtsstörung beruhen, gegen die im wahrsten Sinne des Wortes ein Kraut gewachsen ist. Hinter der Therapie verbirgt sich ein ausgeklügeltes, durchdachtes System, in dem 38 unterschiedliche Blüten oder sonstige Pflanzenteile der gleichen Anzahl von sogenannten disharmonischen Seelenzuständen zugeordnet wird. Um die Bachblütenextrakte herzustellen, legte Edward Bach die Planzenteile in Wasser ein und/oder kochte sie. Abschließend fand noch eine starke Verdünnung statt, bevor die Extrakte verabreicht werden konnten. Heute finden wir in Online-Apotheken eine große Zahl von Produkten, die noch immer nach Bachs Originalrezepten hergestellt werden – zum Beispiel bei Aliva in der Rubrik Homöopathie und Alternativmedizin. Die Nachfrage ist denkbar groß und viele Menschen berichten von Heilungen und Linderungen.

Bachblüten

Angstzustände, Panikattacken, Alpträume, Hypersensibilität und Pessimismus können laut den Befürwortern der Therapie mit den Bachblüten bekämpft werden. Die bekanntesten Bachblüten sind wohl die sogenannten Notfalltropfen. Sie helfen angeblich bei diversen Unpässlichkeiten und wirken darüber hinaus sehr beruhigend. Vor allem auf Kinder soll die Einnahme einiger weniger Tropfen aus dem Notfallfläschchen beruhigend und wohltuend wirken. Gemessen an der Zahl der überzeugten Konsumenten, sollte man annehmen, dass tatsächlich ein gewisser Wirkungsgrad vorhanden ist. Aber lässt sich das belegen, oder steckt womöglich nur der Placebo-Effekt dahinter?

Das Für und Wider der Bachblütentherapie

Sucht man im Internet nach Informationen zur Wirkung der Bachblüten, stößt man auf zwei Lager: Für die einen sind sie unstrittige, sanfte Helfer in allen Lebenslagen und für die anderen reiner Humbug. Einen regelrechten Boom erfuhr diese alternativmedizinische Behandlungsmethode in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als das Thema vermehrt in Magazinen und Fernsehsendungen aufgegriffen wurde. Die Nachfrage stieg rasant und durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiteten sich Berichte über die heilsame Wirkung, die mit den Präparaten möglich sei. Die Kosten für die Bachblütenbehandlung werden, losgelöst vom Wirkungsgrad, tatsächlich von einigen deutschen Krankenkassen übernommen. Und nicht selten verlangen Kunden jeden Alters in Apotheken nach den Tropfen, die anscheinend immer in ausreichender Menge vorrätig sind. Die entscheidende Frage ist nun, ob und wie die Bachblüten nun eigentlich helfen. Und wurde der Wirkungsgrad durch eine unabhängige Studie jemals eindeutig belegt?

In mehreren Klinischen Untersuchungen (unter anderem von der University of Exeter und dem Universitätsklinikum Freiburg) händigte man Probanden nach dem Zufallsprinzip Bachblütenextrakte oder reine Placebos aus. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Einnahme der Placebos war die Wirksamkeit der Bachblüten allenfalls geringfügig höher. Für die Skeptiker stand somit fest, dass sich die positive Wirkung der Bachblüten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch den (mitunter ja sehr potenten) Placebo-Effekt ergibt. Dafür spräche auch der Umstand, dass Edward Bach anno dazumal die 38 Bachblüten nicht nach streng wissenschaftlichen beziehungsweise medizinischen, sondern nach emotionalen Gesichtspunkten auswählte.

Aber könnten Pflanzen wie Tausendgüldenkraut, Holzapfel, Heckenkirschen und Einjähriger Knäuel nicht doch den einen oder anderen heilsamen Wirkstoff enthalten? Das ist durchaus möglich, doch niemand kann genau sagen, ob und in welchem Maße die Wirkung trotz der starken Verdünnung weiterbesteht. Die Befürworter verweisen indes auf Heilungsprozesse, die ihrer Meinung nach selbst durch einen starken Placebo-Effekt schwerlich möglich sind. In jedem Fall darf festgehalten werden, dass die Bachblüten vermehrt bei denjenigen wirken, die von ihnen überzeugt sind, jedoch auch schon manch Zweifler überrascht wurde.

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Kategorien: Artikel, Gesundheit & Wellness

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