Chrom-belastete LD-Schlacke im Straßenbau

BioBella | 24. Februar 2014 16:44 Uhr

Bei der Produktion von Rohstahl fällt gesteinsartige LD-Schlacke an, welche Schwermetalle wie Eisen, Chrom und Vanadium enthält. Letztes Jahr vom Lebensministerium rechtskräftig als Abfall eingestuft wurde das Umweltrisiko von LD-Schlacke deutlich dargelegt. Durch finanzielle Beiträge regelt das Altlastensanierungsgesetz (ALSAG) die Lagerung von Abfällen, und kontrolliert so Umweltgefährdungen durch Problemstoffe. Leider wurde der Einsatz von Stahlwerksschlacke im Straßenbau jedoch von der ALSAG-Beitragspflicht befreit und kommt österreichweit als Baustoff für Straßen und Wege zum Einsatz.

Wenn man das Schwermetall Chrom aus dem Kreislauf entfernen möchte, müsste man die LD-Schlacke auf Reststoffdeponien zwischenzulagern. So kann zukünftig auch der hohe Eisenanteil von etwa 22 bis 32 % recycelt werden. Eine Aufbringung des Materials auf den Straßen stellt eindeutig eine Umweltgefährdung dar und macht eine Weiterverwertung unmöglich.

ab_485_strasse_beton_Rainer_Sturm_pixelio

Grenzwerte für Schwermetalle in LD-Schlacke

Wer LD-Schlacke als Baurestmasse verwenden möchte, muss folgende Grenzwerte eingehalten:

  • Chrom: 90 mg / kg ™
  • Kupfer: 90 mg / kg ™
  • Blei: 100 mg / kg ™

Wenn die Werte darüber liegen, ist eine Deponierung vorgeschrieben. Die Ergebnisse des Umweltbundesamtes bei der Überprüfung der Schadstoffe in LD-Schlacke jedoch zeigen, dass die Grenzwerte um das zig-fache überschritten werden. So wurde allein ein Chrom-Gehalt von 2.200 bis 3.800 mg / kg ™ festgestellt.

Nun sollen die Grenzwerte stark angehoben werden, Chrom z.B. um das 27-fache. Der Entwurf der neuen Recycling-Baustoffverordnung sieht folgende Schwermetall-Grenzwerte vor:

  • Chrom: 2.500 mg / kg ™
  • Kupfer: 700 mg / kg ™
  • Blei: 500 mg / kg ™

Sollte diese Anhebung wirklich durchgeführt werden, wird Österreich bald zur Giftdeponie der umliegenden Länder, denn die haben ebenso ihre Probleme mit der Entsorgung der schwermetallbelasteten LD-Schlacke und fänden in Österreich eine legale Möglichkeit ihren Giftmüll zu exportieren.

In den verschiedenen Nachbarländern fallen Tonnen von Stahlwerksschlacke an

  • Österreich: 650.000 Tonnen
  • Deutschland: 4,5 Mio. Tonnen
  • Italien: 2 Mio. Tonnen
  • Tschechien: 1,2 Mio. Tonnen

Belastete LD-Schlacke gefährdet Gesundheit und Umwelt

Der Schwermetallgehalt in LD-Schlacke ist unumstritten. Auch dass sich gefährlichen Stoffe wie Chrom VI oder Vanadium auswaschen, also im Feststoff nicht fix gebunden sind, ist bewiesen. Aus medizinischer Sicht ist das Ausbringen von chromhaltigem Material in die Umwelt aufgrund des potentiellen Gesundheitsrisikos nicht zu empfehlen.

Bevor nicht alle potentiellen Gefahren für Mensch und Umwelt unabhängig geprüft und ausgeschlossen wurden, spricht sich der Umweltdachverband klar gegen die weitere Verwendung von LD-Schlacke im Straßenbau aus.

Voestalpine verharmlost das Chrom-Problem

Die Voestalpine hat zu diesem Thema ebenso Information veröffentlicht. Dass deren Ergebnisse selbstverständlich sehr konträr ausfallen ist nicht überraschend. So schreiben Sie in ihrem verharmlosenden Info-PDF zur LD-Schlacke (auf Seite 11), dass die gefundenen Chrom-VI-Konzentrationen als sehr gering zu bewerten sind. Für den Normalbürger bzw. Nicht-Chemiker ist im Text nicht ersichtlich, dass es sich hier nur um die Werte in den Auswaschungen handelt. Im Text wird auf den “Eluattest” verwiesen, was bedeutet, dass nicht der Stoff selbst, sondern nur die herausgelösten Substanzen = Elution überprüft wurde. Der Chrom-Gehalt im Material selbst liegt wie oben beschrieben um das zig-fache über dem erlaubten Grenzwert. Vergleich: Chromgehalt in Auswaschung 0,,048 mg / kg ™ und Chromgehalt im Feststoff  3.600 mg / kg ™ Siehe nachfolgende Auswertungen.

Auswertungen für Eluat (Auswaschung) im Vergleich zu Feststoff

ab_485_eluat

Ergebnisse der Überprüfung der Schadstoffe in der Auswaschungen

 

ab_485_feststoff

Ergebnisse der Überprüfung der Schadstoffe im Feststoff

 

Quelle: Umweltdachverband. Spezieller Dank an Herrn Mag. Roland Jöbstl für die Erklärungen und Übersendung der Auswertungen!

Bildrechte © Rainer Sturm, pixelio.de

 

Beitrag kommentieren

Kategorien: Artikel, Gesundheit & Wellness, Recyling & Entsorgung, Umwelt & Energie

Tags: , , , , , ,

weitere Beiträge von

Hinterlasse einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit Pflichtfeld gekennzeichnet.

Durch die Abgabe Ihres Kommentares gestatten Sie biokontakte.com diesen auf dieser Website zu veröffentlichen.
Bitte beachten Sie, daß unangebrachte, irrelevante oder beleidigende Kommentare durch den Administrator gelöscht werden.