Dioxin Skandal – vergessen und vergeben?

BioBella | 17. Februar 2011 09:35 Uhr

Im Jänner 2011 erschüttert der SECHSTE Dioxinskandal Deutschland denn schon 1998, 1999, 2003, 2005 und 2010 gab es ähnliche Meldungen. Hat das Thema im Jänner noch die Nachrichten dominiert, ist es jetzt, nur wenige Wochen nach Bekanntwerden des Skandals, aus den Medien verschwunden. Erstaunlich, wie schnell das Volk sich beruhigen lässt… oder vergisst der Mensch so schnell, was er nicht wahrhaben möchte und lässt den Alltag seine Ängste vertreiben?

Dioxine und ihre Wirkung auf den Menschen

Dioxine sind langlebige Umweltgifte. Sie reichern sich beim Menschen besonders im Körperfett an und schlummern dort mit bislang unklaren Folgen. Manche Dioxine stehen im Verdacht Krebs zu verursachen, manche wurden von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bereits 1997 als humankanzerogen (krebserzeugend für den Menschen) eingestuft. 90-95 % der Dioxine werden über die Nahrung aufgenommen. Nahezu zwei Drittel davon über den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Fisch wird in unseren Breiten nicht so oft konsumiert, weshalb seine oft höhere Dioxinbelastung  nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Besonders vor und nach der Geburt kann die Aufnahme von Dioxin, je nach der mütterlichen Belastung sehr hoch sein. Kinder essen im Vergleich zu Erwachsenen und in Realtion zu ihrem Körpergewicht deutlich mehr, weshalb auch der Dioxingehalt im Blut von Kindern weit höher ist, als bei Erwachsenen.

Verbraucher haben kein Vertrauen mehr

Das Vertrauen der Konsumenten wurde neuerlich erschüttert. Vor allem in die Kontrollorgane, denn das giftige Dioxin wurde nicht von staatlichen Futtermittelkontrolleuren entdeckt sondern vom Fettlieferant selbst, der alle drei Monate Proben zieht und die Dioxinbelastung sofort gemeldet hat. Trotzdem vergingen weitere Tage und Wochen, bis das Problem offiziell wurde. Doch da war es bereits zu spät. Das Futter war verfüttert, die Tiere geschlachtet und somit Eier und Fleisch bereits verkauft oder sogar gegessen.

Laboruntersuchungen haben ergeben, dass der Grenzwert für das Gift Dioxin deutlich überschritten wurde. Das getestete Fett ist für die Futtermittelherstellung keinesfalls geeignet und die Behörden schlossen mehr als 4700 Betriebe. Eier und Fleisch darf vorerst nicht mehr verkauft werden.

Anfangs hieß es, das Dioxin sei über altes Frittierfett, welches als Vorstoff zur Bio-Dieselproduktion Verwendung findet, in das Futtermittel gelangt. Upps, kleiner Irrtum sozusagen… Kann ja mal vorkommen… zumal es erlaubt ist, Futter- und Industriefette im gleichen Betrieb zu erzeugen!

Dabei kommt mir aber in der Sinn: Vielleicht sollte man sich aber nicht Gedanken darüber machen, WIE das Dioxin ins Futtermittel gekommen ist, sondern ob man Tieren vielleicht ÜBERHAUPT KEINE Fettabfälle füttern sollte!

http://www.youtube.com/watch?v=LL3WHCh8BMI

Kontamination mit Dioxin durch mangelhafte Überwachung

Das Problem in nordwesteuropäischen Ländern ist, dass bei der Tiermast mit Fertigfutter fast ausschließlich industriell gefertigtes Futter eingesetzt wird. Welche Stoffe hier beigemengt werden, wird dem Futtermittelhersteller überlassen. Zudem gibt es einfach zu wenige staatliche Kontrollen für Futtermittelhersteller. Stichprobenartige Überprüfungen reichen hier einfach nicht aus. Nicht viel anders sieht es aber auch in anderen europäischen Ländern wie z.B. Belgien oder Irland aus, die ebenso schon Dioxinskandalen in den Nachrichten hatten.

Dioxintests sind zeitaufwendig, teuer und daher auch selten. Werden verunreinigte Futtermittel gefunden, kommt es meist nur zu Belehrungen oder Abmahnung. Nicht abschreckend genug, meinen Konsumentenvertreter und fordern hohe Geld- oder auch Freiheitsstrafen.

Anders in Österreich

In Österreich erzeugen die meisten Bauern das Futter für die Schweinemast selbst, welches zum größten Teil aus Getreide heimischer, meist sogar hofeigener Felder besteht. Durch Lagerung und Weiterverarbeitung direkt am Hof, ist eine Kontamination mit Dioxin auszuschließen.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Wird der Bürger durch entsprechende staatliche Kontrollen nicht ausreichend geschützt, heißt es wie so oft selbst Augen und Ohren offen zu halten. Doch mangels Zugang zu entsprechenden Informationen ist das nicht so einfach und teilweise gar nicht machbar. Bei Fleisch, Milch und Eiern können wir die Herkunft nachvollziehen. Doch bei weiterverarbeiteten Produkten endet die Transparenz! Welche Butter wurde für meinen Kuchen oder die leckeren Kekse verwendet? Woher stammen die Eier in der Mayonnaise?

Österreich hat kein Importverbot für deutsche Produkte erlassen. Laut Gesundheitsministerium ist “ein Importverbot aufgrund der derzeitigen Nicht-Betroffenheit nicht geplant” Ach ja! Wir warten erst, bis wir richtig betroffen sind!

Angeblich versorge sich Österreich mit Eiern ja großteils selbst. Großteils… hmmm! Und der Rest? Um sich eine Vorstellung von der “Restmenge” zu machen: Laut Daten von Statistik Austria hat Österreich vergangenes Jahr allein von Jänner bis Oktober sage und schreibe 130 Millionen Eier aus Deutschland importiert! Ebenso fanden 27,9 Kilotonnen Geflügel ihren Weg von Deutschland in die österreichischen Regale.

Österreichisches Produkt? Sicher kann man sich leider nie sein, denn auch “österreichische Eier” kommen nicht immer aus Österreich wie der Fall der Schummel-Eier gezeigt hat. Vielleicht werde ich mir bald selbst ein paar Hühner im Garten halten, da kann ich wenigsten sicher sein!

Fleisch überhaupt zu meiden, wäre ein großer Beitrag zum Klimaschutz, gegen den Welthunger, zur eigenen gesunden Ernährung und nicht zuletzt für den Tierschutz.

Und irgendein Gefühl sagt mir, dass dies nicht der letzte Dioxin-Skandal war…!

Bildrechte: Artikelbild “Eier” – Petra Hegewald, pixelio.de / Artikelbild “Dioxin-Fleisch” – Gerd Altmann/dauni, pixelio.de / Vorschaubild und Artikelbild “Dioxin Ei” – Gerd Altmann/myself, pixelio.de

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Kategorien: Essen & Trinken

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