Droge Zucker

BioBella | 8. März 2011 07:35 Uhr

Alles was süchtig macht hat die Wirkung einer Droge. Auch der Konsum von Süßem kann süchtig machen und durch die gängige vitalstoffarme Ernährungsweise, u.a. verursacht durch unzählige Verführer und falsche Werbebotschaften landen wir bald in einem “Zucker-Teufelskreis”.

Frau Gabriela Gasser, Gesundheitsberaterin und Vizepräsidentin von Verein Natürlich Leben hat mir hier ihren 7-Stufenplan zur Verfügung gestellt, der es uns erleichtern soll unseren Zuckerkonsum zu reduzieren. Von heute auf morgen geht gar nichts und es wird empfohlen, sich für jeden Schritt mindestens ein bis zwei Wochen Zeit zu lassen.

Schritt 1 – Ernährungsprotokoll führen

Am Anfang ist es wichtig, dass wir uns bewusst machen, wie viel Zucker wir täglich zu uns nehmen. Zielführend ist es, mal einige Tage streng aufzuschreiben, was über den Tag verteilt gegessen wird und im Besonderen auf Süßes und Auszugsmehlprodukte zu achten. Ganz ehrlich! Ohne Zwischenmahlzeiten, Snacks, Naschereien und Fernsehknaberrei zu vergessen! Mit dieser Liste dann den Zuckergehalt ermitteln (Internet, Bücher)

Schritt 2 – Inventur in Küche und Vorratskammer

Gezuckerte Nahrungsmittel von ungezuckerten trennen und getrennt wieder in die Schränke zurückstellen. Die süßen Ecken im Wohnzimmer und den Gefrierschrank nicht vergessen. Tipp: der Zuckergehalt in Dosen-Gerichten ist meistens enorm!

Wichtig dafür: Die Zutatenlisten lesen lernen

Alle Zutaten von Nahrungsmitteln müssen lt. EG auf der Packung angegeben werden. Die Zutaten müssen in der Reihenfolge der Mengenanteile aufgeführt werden, das heißt, an erster Stelle steht die Zutat, von der die größte Menge verwendet wurde, an letzter Stelle die Zutat, von der am wenigsten hineinkam. Achtung! Hier verwendet die Nahrungsmittelindustrie Tricks, um Zucker von der ersten Stelle der Zutatenliste verschwinden zu lassen und lässt den Zucker in ihren Produkten sozusagen inkognito reisen. Der Gesamtzuckergehalt wird in verschiedene Zuckerarten aufgeteilt, um einen geringeren Zuckeranteil vorzutäuschen. Glaubt man den bunten Verpackungen, strotzen z.B.: Müsliriegel, Frühstücksflocken oder Desserts nur so vor „gesunder Natürlichkeit“, obwohl oft Zucker der Hauptbestandteil ist!

Um solchen legalen Etikettenschwindel auf die Spur zu kommen ist es hilfreich, alle Fabrikzuckerarten zu kennen.

Fabrikzucker-Arten

  • Gewöhnlicher weißer Haushaltszucker (Saccharose, Kristallzucker, Rübenzucker)
  • Staubzucker
  • brauner Zucker
  • Kandiszucker
  • Einmachzucker
  • Vanillezucker
  • Invertzucker
  • Fruchtzucker (Fruktose, Laevulose)
  • Traubenzucker (Glukose, Dextrose)
  • Milchzucker (Laktose)
  • Malzzucker (Maltose)
  • Vollrohrzucker (Sucanat)
  • Ur-Süße, Ur-Zucke
  • Rapadura (Vollrohrzucker)
  • Demarara (Rohrzucker)
  • Panelista
  • Melasse
  • Maissirup (Isoglucose)
  • Ahorn- oder Rübensirup
  • Apfel- oder Birnendicksaft
  • Frutilose (flüssiger Obstdicksaft)
  • Maltodextrin
  • Reis- oder Gerstenmalz
  • Glukosesirup
  • Leucrose
  • u.a.m.

Die Zuckerindustrie ist sehr erfinderisch immer wieder neue, ungesunde Zuckerarten auf den Markt zu bringen.

Vorsicht bei „ungezuckert“

Das deutsche Lebensmittelrecht deklariert nur Saccharose (Rohr- und Rübenzucker) als Zucker, nicht aber die ebenso schädlichen anderen Zuckerarten wie Traubenzucker (Glukose), Fruchtzucker (Fructose), Milchzucker (Laktose) und so weiter. Daher ist es beim Einkauf notwendig, auch die Zutatenliste der „ungezuckerten“ Waren genau zu studieren.

Schritt 3 – sich ein klares Ziel setzen

Auf welche „machbare“ Menge will ich meinen täglichen Zuckerkonsum reduzieren? Selbstverständlich können Sie dieses Ziel später verändern und evtl. ganz auf Zucker verzichten.

Zuckerhältige Nahrungsmittel in drei Kategorien einteilen

  1. Nahrungsmittel auf die Sie ohne weiteres ganz verzichten kann
  2. Nahrungsmittel wo ein Verzicht nicht ganz so leicht fällt, die Sie aber einschränken oder durch bessere ersetzen können
  3. Nahrungsmittel ohne die Sie (momentan) nicht auskommen

Feststellen, welche „süßen Alternativen“ bei welchen Nahrungsmitteln in Frage kommen.

Dann ausrechnen, wie nahe Sie Ihrem Ziel schon gekommen sind. Rotstift solange ansetzen, bis Ihr persönliches Zuckerziel erreicht ist.

Schritt 4 – Richtig einkaufen

  • Sich Zeit lassen beim Einkaufen
  • Nicht hungrig oder „mit Gelüsten auf Süßes“ einkaufen gehen
  • Nicht mit den Augen kaufen, sondern mit dem Verstand
  • Zutatenlisten genau studieren
  • Nicht von Sonderangeboten blenden lassen
  • Qualitätsmaßstäben treu bleiben

Viele Lebensmittelketten haben eine Natur- oder Reformecke. Auch bei Frischware, Fleisch, Milchprodukten auf Qualität achten – öfter Mal zu „biologischem Obst und Gemüse“ greifen. Es enthält keine Giftstoffe, mehr Vitamine und schmeckt entschieden besser.

Entdecken Sie neue Einkaufsquellen (Naturkostladen, Reformhaus, Bio-Bauer) und haben Sie Mut, auch mal was Neues auszuprobieren. Seien Sie kreativ bei der Suche nach Alternativen zu den Produkten, die ersetzt werden sollen.

Gute Alternativen sind frisches Obst, Trockenfrüchte, Nüsse, Studentenfutter oder zwischendurch auch mal etwas Ausgefallenes wie Ananas, Melone, Feigen usw.

Am besten ist es, mit der Zeit keine oder nur wenige Süßigkeiten zu kaufen bzw. zu Hause haben!

Schritt 5 – Experiment – Gesund leben

Seien Sie kreativ in der Küche – probieren Sie was Neues aus – machen Sie Experimente

Meiden Sie

  • Fabrikzucker
  • Auszugsmehle
  • Fleisch
  • Salz
  • Fabrikfette

Bevorzugen Sie

  • Gemüse und Obst
  • Kräuter und Gewürze
  • kaltgepresste Öle
  • Bio Produkte

Besorgen Sie sich Informationen und tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten aus. Lassen Sie sich Zeit bei der Umstellung. Schritt für Schritt… so wie es Ihnen und Ihrer Familie am angenehmsten ist.

Die neue Ernährung muss Freude machen!

Eine „Sünde“ zwischendurch ist nicht so schlimm wie freudloser Zwang und Askese. Schuldgefühle und erhobener Zeigefinger haben in einer gesunden Küche nichts verloren.

Schritt 6 – Zur neuen Lebensweise stehen

Gesunde Ernährung ist nicht etwas, was wir verschämt vor den anderen Leuten verstecken müssen – viele sind dankbar für jede Information.

Lassen Sie sich im Restaurant oder beim Einkaufen nicht aus dem Konzept bringen. Fragen Sie nach dem Zuckergehalt und sagen Sie ruhig nein, wenn Sie etwas nicht essen oder kaufen wollen. Ungesund leben aus Höflichkeit ist das Letzte, was wir tun sollten.

Wenn Sie Lust auf eine süße Sünde haben, dann sündigen Sie bewusst. Schuldgefühle oder mühsam unterdrückte Gelüste machen mehr Kummer als das Stück Schokolade, dass Sie für Ihr Leben gerne essen würden. Aber hüten Sie sich vor einem Rückfall in den gedankenlosen Schlendrian. Alte Gewohnheiten sind rasch wieder eingefahren!

Vertiefen Sie ständig Ihr Wissen über die Grundlagen gesunder Ernährung! Es gibt eine Reihe guter Websites und Bücher , die vollwertige oder vegetarische Rezepte enthalten. Es hilft sehr, die genauen Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit zu erkennen. Wenn es der Kopf einmal verstanden hat, ist der Wille gesund zu leben, leichter zu praktizieren.

Die Anschaffung einer Getreidemühle ist wirklich überlegenswert. Frischgemahles volles Korn ist unersetzbar und erschließt eine ganz neue Welt des Genusses und Wohlbefindens. Durch seinen hohen Gehalt an Vitalstoffen, im speziellen durch den Vitamin- B-Komplex hilft uns Vollgetreide entscheidend, unseren „Heißhunger auf Süßes“ langsam aber konsequent in den Griff zu bekommen.

Schritt 7 – Zucker ade

Stufe sieben spart eine Menge Rechenarbeit. Ein Blick auf die Zutatenliste genügt. Findet sich Zucker in irgendeiner Form darauf, wandert das Produkt zurück auf das Regal.

Mit der Zeit machen die Geschmacksnerven eine allmähliche Veränderung durch. Der übersüße Einheitsgeschmack von Süßwaren, Nachspeisen und anderen Zuckerbomben wird auf einmal als unangenehm empfunden. Diese Entwöhnung des künstlich süßen Geschmacks beginnt schon nach einigen Tagen des „Zuckerentzuges“.

Der tägliche Verzehr von „echten“ Vollkornprodukten hilft stark mit, von dem unnatürlichen Süßen wegzukommen. Durch die vollwertige Ernährung ist unser Blutzuckerspiegel konstant und wir haben dadurch nicht andauernd das Bedürfnis, Süßes essen zu müssen.

Buchtipp: Good Bye Zucker

Gesunder Zuckerersatz

Natürlich dürfen wir weiter auch „Süßes“ genießen. Alle Fabrikzuckerarten können wir ersetzen durch

  • Vollreifes, süßes Obst – am besten biologisch, nicht nur wegen des wesentlich besseren, süßeren Geschmacks 
z.B.: Bio-Bananen zerdrückt und ganz fein geschlagen, sind ausreichend für die Süße des Frischkorn-Müslis
  • Eingeweichte ungeschwefelte Trockenfrüchte
  • Honig (sparsam einsetzen)

Buchtipp

“Zucker – der süße Verführer: Alles Wissenswerte und praktische Gesundheitstipps”

Ein Buch von Franz Binder und Josef Wahler

Wer mehr über dieses Programm erfahren und seinen Zuckerkonsum auf ein annehmbares Maß reduzieren möchte, liegt mit diesem Gesundheitsratgeber genau richtig. Inklusive Zuckergehalt-Tabellen.

Ich wünsche Ihnen viel Ausdauer und gutes Gelingen beim Anti-Zucker-Programm!

Erfahrungsberichte willkommen! :)

Text: Gabriela Gasser, Gesundheitsberaterin nach Dr. Bruker, Vizepräsidentin Verein Natürlich Leben Quelle: Verein Natürlich Leben Bildrechte: Zucker Artikelbild © wrw, pixelio.de – Zucker Vorschaubild © Rolf Handke, pixelio.de

 

 

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Kategorien: Essen & Trinken, Gesundheit & Wellness

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2 Kommentare

  1. Horst Volkhammer schrieb am 25. Dezember 2011 um 22:20

    Da gibt´s nichts zu kommentieren und sicher viel, aber auch gar nichts hinzu zusetzen. Danke, freue mich immer wieder solche Stimmen zu hören; stelle aber bei mir selbst fest, daß die Sucht nach Z. bleibt. Seit 1997,nach 3-wöch. Fasterei, versuche ich mit mehr oder weniger Erfolg Herrn Konz folgend in Begleitung von A. Schopenhauer mein Leben endgültig umzustellen. Auch die Sucht nach Salz bleibt. Leicht konnte ich mich von Alkohol und Nikotin trennen, von Kaffee schon schwieriger. Auch fehlt mir als ehemaligem Brotliebhaber der sättigend vollmundige Geschmack,was ich mit Banane substituiere. Hinderlich ist, wenn im unmittelbaren Umfeld der gutbürgerlichen Küche gefrönt wird. Sehr schwierig gestaltet sich auch die Vermittlung der unzweifelhaften Werte vor dem Hintergrung des eigenen gequält erscheinenden Lebens nach der Umstellung. Hierzu wären Argumentationshilfen angebracht; vor allem auch wegen der betagten Ikone des Konsums.

  2. Gabriela Gasser schrieb am 23. Oktober 2016 um 10:26

    Lieber Horst Volkhammer, habe gerade durch einen “Zufall” deinen/ihren Kommentar vom Dez. 2011! gelesen. Spät aber doch – hahaha.
    Vielleicht erreicht dich/sie meine späte Antwort. Der Sieg über die Zuckersucht gelingt nur, wenn du/sie echtes Vollkorn in den Speiseplan einbaust. Erst wenn der Körper über genügend Vitamin B1 (Vollkorn) verfügt, verliert sich der Heißhunger nach Süß. Auszugsmehl wird in allen Bereichen durch (frischgemahlenes) Vollkornmehl ersetzt und dann klappts. “Echtes” Vollkornbrot ist genauso Notwendig wie das FRISCHKORN-MÜSLI – DER Mercedes der Vitalstoffreichen Vollwertkost. Siehe Rezept auf meiner website: http://www.genussvollgesund.com
    Viel Erfolg und alles Gute, Gaby Gasser

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