Grindadráp – Grindwaltötung auf den Färöern

BioBella | 26. August 2010 21:00 Uhr

Auf dem idyllischen Fleckchen Erde zwischen Island, Norwegen und Schottland wiederholt sich seit 1584 Jahr für Jahr ein ungleich blutiges Spektakel. Die Rede ist vom traditionellen Grindadráp auf den Färöer-Inseln, bei dem hunderte Grindwale und Delphine aus Tradition auf althergebrachte Weise eines grausamen Todes sterben.

Tradition vs Moderne

Die Färinger sind sich keiner Schuld bewusst. Lässt man das frühere Hunger- und Überlebens-Argument mangels fehlender Nahrungsressourcen noch gelten, sprechen heute gut gefüllte Lebensmittelregale in Supermärkten und der hohe Lebensstandard der Inselbewohner eindeutig gegen das kollektive Fangen und Schlachten ganzer Walfamilien in den zahlreichen Buchten der Inselgruppe im Nordatlantik.

Die Färöer-Inseln sind wie Grönland innenpolitisch autonom und kein Mitglied der EU. Obwohl sie eigentlich zu Dänemark gehören, nutzen die Nachfahren der Wikinger ihren politischen Sonderstatus aus und berufen sich auf die alte Tradition der Grindwaljagd um Jahr für Jahr dem blutigen Walfangspektakel mit Volksfestcharakter zu frönen.

Dass der Walfang durch europäische Richtlinien und internationale Konventionen eigentlich verboten ist, kümmert die Färinger ob ihres autonomen Status nur wenig…

Lasset die Spiele beginnen…

Da es weder vorgeschriebene Fangzeiten noch Quoten gibt, wir je nach Wetterlage getötet, was einem quasi gerade so vor das Grindaknívur, einer 20 Zentimeter langen Klinge zur Durchtrennung des Rückenmarks, schwimmt.

Werden Walfamilien am offenen Meer gesichtet, geht alles ganz schnell. Die Fischer fahren mit ihren motorisierten Booten hinaus, wo sie die vorbeiziehenden Tiere einkreisen. Gemeinsam treiben sie sie in eine der Walschlacht-Buchten, wo ihre Henker sie bereits mit Fanghaken, Seilen und Messern erwarten.

Einmal in der Bucht gibt es kein Entrinnen mehr. Mit Hilfe von Netzen und Tauen werden sie an den Strand gezerrt, wo die eigentliche Tötung beginnt.

Besonders tragisch: selbst wenn sich den Meeressäugern eine Gelegenheit zum Fliehen böte, so würden sie diese aufgrund ihres ausgeprägten Sozialverhaltens gar nicht wahrnehmen! Ihr starker Familienverband treibt sie nämlich dazu, neben ihren sterbenden Angehörigen zu verharren, bis auch sie an der Reihe sind…

Die Tötung der wehrlosen Tiere

“An der Reihe sein” bedeutet auf färöisch, einen stumpfen Fanghaken ins Blasloch gerammt zu bekommen, der dafür sorgt, dass der Orientierungssinn zum Erliegen kommt. Abgesehen davon eignet sich so ein fest sitzender Fanghaken wunderbar, um wehrlose Tiere an den Strand zu ziehen.

Danach kommt das bereits erwähnte Jagdmesser zum Einsatz, indem den Tieren entlang des Kopfes das Rückenmark sowie die Hauptschlagader durchtrennt werden.

Was bei korrekter und sauberer Anwendung vielleicht eine schnelle Tötung wäre, verliert in dem glitschigen tran- und blutvermischten Wasser schnell an Tauglichkeit…

Da sich aufgrund der großen Familienverbände außerdem meist bis zu hundert Tiere gleichzeitig in der Bucht befinden, zieht sich die Tötungsprozedur trotz der vielen freudigen Helfer oft über Stunden.

Die noch lebenden Tiere, die angsterfüllt auf ihr unausweichliches Schicksal warten, baden im Blut ihrer Angehörigen und müssen obendrein deren Schreien, sowie dem Rufen der Fischer und den Motoren der Boote lauschen.

Besonders grausam: nicht mal vor Kälbern oder schwangeren Tieren wird Halt gemacht. Getöteten Muttertieren wird der Bauch aufgeschlitzt und das Ungeborene landet mitsamt Fruchtblase und Nabelschnur am steinigen Hafenboden, wo es – wenn nicht bereits tot – kläglich verendet.

Da bei diesen sich jährlich wiederholenden Aktionen regelmäßig ganze Familienverbände binnen weniger Stunden ausgelöscht werden, tragen die Färinger zur Ausrottung der genetischen Vielfalt der Grindwale im Nordatlantik bei!

Eigentlich ungenießbar!

Studien zu Folge ist das Fleisch von Walen und Delfinen durch die Verschmutzung der Meere ohnedies gesundheitsgefährdend. Grenzwerte für Quecksilber, PCB oder DDT werden bis zu 5.000-fach überschritten.

Speziell die hochgradige Quecksilberbelastung veranlasste die färöische Gesundheitsbehörde bereits 2008 dazu, den Konsum von Walfleisch als überaus bedenklich einzustufen und riet den Färingern eindeutig vom Verzehr ab.

Fragt man sich wieso das Schlachten weiter geht! Wann wird mit dieser barbarische Tradition gebrochen?

Berichten zufolge fanden beim jüngsten Grindadráp am 19 Juli 2010 in der Bucht von Klaksvik 236 Grindwale den Tod!

Helfen Sie Lebenwesen, die nicht im Stande sind, sich selbst Gehör zu verschaffen!

Unterzeichnen Sie die Petition der Gesellschaft zur Rettung der Delphine und verbreiten Sie die Nachricht im Freundes- und Bekanntenkreis.

Das 21. Jahrhundert hat Einzug gehalten und in Zeiten, wo zumindest in den angesprochenen Breitengraden keiner mehr Hunger leiden muss, kommt das sinnlose Töten von wehrlosen Tieren, die noch dazu unter Artenschutz stehen, definitiv nicht gut an!

Bildrechte: Vorschaubild – lail-alsahara.com

Beitrag kommentieren

Kategorien: Artikel, Tierwelt & Tierschutz

Tags: , ,

weitere Beiträge von

4 Kommentare

  1. Heroesofthering TheMagzine via Facebook schrieb am 27. August 2010 um 13:43

    habe ich schon mal eine doku darüber gesehen, ist eine schöne schweinerei.hoffe es macht entlich mal einer was dagegen.

  2. Marvin Laryea schrieb am 28. August 2010 um 16:45

    Hoffentlich kann man diese Barbarei irgendwie stoppen.

  3. Heinz Brachvogel via Facebook schrieb am 14. September 2010 um 23:45

    Gräßliche alljährliche Rituale, nicht etwa in Japan, dort sind die Opfer Delphine, sondern in einem EU-Land (Dänemark)! Unverständlich! Heinz

  4. schwarzgeher schrieb am 8. Februar 2015 um 22:06

    Unsere mastbetriebe sind um Welten schlimmer. Man sollt vielleicht erstmal vor der eigenen Tür den Dreck wegmachen anstatt über andere zu lästern. Sorry, aber ich sehe hier nichts was auch nur ansatzweise so verwerflich wäre wie die einheimischen zustände. Die gesetzlich verankert sind und aus reiner profitgier aufrechterhalten werden. Wenn man akzeptiert das Fleisch hier gegessen wird, ist es lächerlich andere dafür anzuprangern- nur weil man den Anblick von Blut und Schlachtungen nicht mehr gewohnt ist. First-world-problems. Nebenbei: ich halte Menschen die ihr essen selbst töten für um einiges ehrlicher und respektabler als armselige supermarktcarnivore. Respektive: lieber ein faröer mit dem grindmesser in der hand als den deutschen wohlstandsbürger der sich zu fein dafür wäre jemals zu schlachten und trotzdem Fleisch fressen will.

Hinterlasse einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit Pflichtfeld gekennzeichnet.

Durch die Abgabe Ihres Kommentares gestatten Sie biokontakte.com diesen auf dieser Website zu veröffentlichen.
Bitte beachten Sie, daß unangebrachte, irrelevante oder beleidigende Kommentare durch den Administrator gelöscht werden.