Die iPhone Story: Foxconn und Apple bis in den Tod

BioBella | 30. Januar 2012 12:56 Uhr

Das sozialkritische Anti-iPhone-Game zeigt was hinter den schmucken und hippen Smartphones, die unser westliches Leben bereichern steckt. In Englisch (Übersetzung in Textform siehe Ende des Artikels) berichtet es von der Ausbeutung der Arbeiter und Ressourcen. Apple schmiss die App natürlich flugs aus dem Programm, aber auf Android und Youtube lebt sie weiter. Doch was genau ist der Stein des Anstosses?

iPhone Story: Foxconn und Apple

Nach zahlreichen Todesfällen, Selbstmorddrohungen von Mitarbeitern und Zahlungsproblemen ist Foxconn ein sehr umstrittener Hardwarehersteller in China. Trotzdem lassen namhafte Unternehmen wie Microsoft (XBox) oder Apple (Iphone) ihre hochwertigen Produkte dort produzieren.

Sterben für das iPhone und Apple vergibt immer noch Aufträge an Foxconn

Es gibt Jugendliche in meiner Nachbarschaft, die würden sprichwörtlich “sterben für ein iPhone”. Eine sehr höhnische Aussage angesichts der 300 Angestellten des Elektro-Fertiges Foxconn in Taiwan, die Anfang Jänner drohten, sich aufgrund der deströsen Arbeitsbedingungen vom Dach zu stürzen. Die Katastrophe konnte noch verhindert werden, doch schon in den Jahren davor nahmen sich Arbeiter der Zulieferfabriken für Apple das Leben, weil sie die Ausbeutung nicht mehr ertragen können.

iPhone Story: Warum Apple bei Foxconn produzieren lässt

Dass Apples Produktion vorrangig in China erfolgt ist allgemein bekannt. Auch die Zusammenarbeit mit Foxconn wird immer wieder diskutiert. Neben den geringen Kosten gibt es aber auch noch andere Vorteile. Auf kurzfristige Änderungen kann sofort reagiert werden und es sind jede Menge billiger Arbeitskräfte sofort verfügbar.

iPhone Story Grund 1: Foxconn beschäftigt “sehr flexible” Arbeiter für Apple

Als Beispiel hiefür hört man immer wieder die Geschichte von den 8.000 Arbeitern, die kurz vor dem Launch des ersten iPhones mitten in der Nacht in ihren Schlafsälen geweckt wurden und mit “einem Keks und einer Tasse Tee” an die Fließbänder geschickt wurden, um in einer 12-Std-Schicht kratzfestere Gläser für das Apple Iphone zu produzieren. Steve Jobs hatte damals sein Prottyp Iphone in der Hosentasche zerkratzt und wollte kurz vor Verkaufsstart ein neues Frontglas. Binnen 96 Std. betrug die Tagesproduktion 10.000 Stück! Eine so “flexible” Anpassung an Erfordernisse ist bei uns undenkbar.

iPhone Story Grund 2: Foxconn findet flugs passende Arbeitnehmer für Apple

Apple benötigt 8.700 Ingenieure für die iPhone Produktion, welche zu finden laut Analyse in den USA etwa neun Monate gedauert hätte. In Asien war das in nur 15 Tagen erledigt. Die 3.000 benötigten Arbeiter wurden über Nacht angeheuert. Welche US-Fabrik kann 3.000 Menschen so schnell einstellen und dann auch noch davon überzeugen, in Schlafsälen zu leben? Auch sind ständige Überstunden, Sprechverbot oder eine Siebentagewoche keine Seltenheit.

iPhone Story Grund 3: Foxconn hat benötigte Komponente für Apple parat

Ein weiterer Faktor ist, dass in Asien zahlreiche Komponentenhersteller ansässig sind. Alle benötigten Teile sind sozusagen in Reichweite und sofort verfügbar.

Youtube-Video “Phone Story”

mehr Infos zu Coltan, Selbstmorde oder Elektronikschrott hier.

Übersetzung des Youtube-Videos “Phone-Story”

Hallo Konsument!

Danke für’s dabei sein. Lass mich Dir in unterhaltsamer Weise die Geschichte dieses Telefons erzählen.

Einst gab es Mineralien die im Inneren der Erde schlummerten. Eines dieser Mineralien, genannt Coltan, kann man in den meisten elektronischen Geräten finden.

Die größte Coltan-Abbau-Stätte befindet sich im Kongo, einem Land, zerissen von einem brutalen Bürgerkrieg.

Der konstant steigende Bedarf an Coltan führte eine Welle der Gewalt und Massaker im Kongo herbei. Militärische Gruppen versklavten Kriegsgefangene, oft Kinder, um das kostbare Material abzubauen.

Wie die meisten elektronischen Geräte, wurde dieses Handy in China produziert, in einer Fabrik, die die Größe einer Stadt hat. Die dort arbeitenden Menschen sind dem Missbrauch und der Diskriminierung ständig ausgesetzt. Sie arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen und werden zu illegalen Überstunden gezwungen.

Innerhalb einer Zeitspanne von wenigen Monaten begingen über 20 Arbeiter Selbstmord, getrieben durch extreme Verzweiflung.

Sobald sie sich dieses Telefon gekauft haben, ist es neu und sexy. Sie haben Monate darauf gewartet. Keine Anzeichen für die beunruhigende Vergangenheit sind bemerkbar. Aber brauchen sie es wirklich ?

Natürlich! Viel Geld wurde ausgegeben um diesen Wunsch zu erfüllen. Sie brauchten etwas um ihren Status zu signalisieren, ihren dynamischen Lebensstil, ihre einzigartige Persönlichkeit. Genau wie jeder andere.

Bald wird ein neues Modell herausgebracht, welches dieses veraltet aussehen lässt, und sie werden es weggeben. Es werden Tonnen von hochgiftigem Elektronikschrott verursacht. Die sagen, dass sie es recyclen werden, aber es wird wahrscheinlich nur ins Ausland verschickt. An Orte wie Ghana, Pakistan oder zurück nach China. Dort werden die Materialien mit Methoden, die sowohl für die Gesundheit der Menschen, als auch für die Umwelt schädlich sind, verwertet. Teile des iPhone werden Wasser und Luft verschmutzen, andere werden für neue Produkte verwendet.

Bildrechte: Artikelbild © Harald Wanetschka, pixelio.de – Vorschaubild © F. Gopp, pixelio.de

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Kategorien: Büro & Technik, Ethisch & Sozial, Umwelt & Energie

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3 Kommentare

  1. Viktoria L-engyel via Facebook schrieb am 30. Januar 2012 um 15:12

    In diesem Fall wird es LTE fähig sein. In den USA (bin derzeit noch dort) bieten sie dieses schnelle mobile Internet bereits an. Bei uns wird es erst nach der IFA publik gemacht.

  2. Viktoria L-engyel via Facebook schrieb am 30. Januar 2012 um 15:13

    Aber ich bin ebenfalls gegen diese Masche, wie es auch beim IPad festzustellen ist… dass man immer das Neuste vom Neusten haben muss.

  3. biokontakte.com via Facebook schrieb am 31. Januar 2012 um 15:13

    http://derstandard.at/1326504169195/Arbeitsbedindungen-Apple-droht-Konsumboykott

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