Food Coop – Eine industrie-kritische Lebensmittelgemeinschaft

BioBella | 27. April 2012 12:17 Uhr

Die Bezeichnung “Foodcoop” leitet sich vom englischen “food cooperative” ab und bedeutet Lebensmittelgemeinschaft. Sie sind der Ausdruck der Kritik am gängigen Agrar- und Lebensmittelsystem, welches fast ausschließlich von Großkonzernen und Supermärkten dominiert wird.

Eine Gruppe Personen schließt sich zu einer Foodcoop zusammen, um durch größere Mengen beim gemeinsamen Einkauf direkt beim Erzeuger einkaufen zu können und erfüllen sich durch diese Selbstorganisation den Wunsch nach mehr Unabhängigkeit.

Ziel ist, biologisch erzeugte Lebensmittel günstiger zu bekommen und gleichzeitig die Bio-Bauern bei der Direktvermarktung zu unterstützen.

Ein Foodcoop bietet viele Vorteile

  • die ökologische Landwirtschaft wird gefördert
  • Unabhängigkeit von Großkonzernen
  • Kleinbauern werden bei der Direktvermarktung unterstützt
  • Ausschalten von Zwischenhändlern
  • durch Regionalität und kurze Transportwege wird die Umwelt geschützt
  • saisonales Obst und Gemüse wird verstärkt genutzt
  • ErzeugerInnen erhalten eine faire Bezahlung

Wie eine Foodcoop funktioniert

Die Foodcoop besteht aus einer Gruppe Personen, die kostendeckend und gewinnfrei wirtschaften wollen. Jedes Mitglied sollte ein gewisses Maß an Engagement  mitbringen, da die anfallenden Arbeiten wie Bestellung, Ladendienst oder auch sauber machen unter den Mitgliedern aufgeteilt wird. Ebenso müssen neue Lieferungen übernommen, in Regale geschlichtet und bepreist werden. Weil auch Lager- und Kontostände kontrolliert werden müssen, ist natürlich auch das Vertrauen untereinander ein sehr wichtiger Aspekt.

Meist werden monatliche Treffen abgehalten, um offene Fragen zu klären. Gemeinsam wird auch entschieden, ob jeder Einzelne selbst bestellen kann oder dies eine Person durch eine Sammelbestellung erledigt. Es muss auch entschieden werden, ob es lagerfähige Produkte wie z.B. Getreide oder Säfte im Lager immer geben soll und sie so jederzeit mitgenommen werden können.

Die Bezahlung in der Foodcoop

Die Bezahlung kann in bar oder über ein Vereinskonto erfolgen, bei dem jeder eine gewissen Betrag aufbucht und von diesem seine Einkäufe abzieht. Eine fixe monatliche Gebühr von etwa € 5 deckt die Miete für den Lagerraum und andere gemeinsame Anschaffungen wie z.B. Regale oder eine Waage.

Die Warenausgabe in der Foodcoop

Bei manchen Foodcoops erfolgt die Warenausgabe nur zu bestimmten Zeiten, andere wiederum geben jedem Mitglied einen Schlüssel und ermöglichen so das flexible Abholen der Lebensmittel im Lagerraum.

Wenn sich jeder selbst bedienen darf, muss er auch verlässlich den Lagerstand korrigiert und bezahlen. Soll die Warenausgabe durch einen Ladendienst erfolgen, muss sich auch verlässlich jemand finden, der diesen Job übernimmt. Es gibt auch Foodcoops ohne Lager. Hier wird an bestimmten Tagen die gesamte Sammellieferung übernommen und gleich vollständig unter den Mitgliedern verteilt.

Mehr Foodcoops erwünscht

Ich finde die Idee einer Foodcoop einfach großartig. Schade, dass es in Wien nur vier bestehende Foodcoops gibt. Falls es Interessenten gibt im Osten von Wien bzw. Bezirk Korneuburg eine neue Foodcoop ins Leben zu rufen – Ich bin dabei!

Wer die industrialisierte Lebensmittelproduktion ebenso kritisch sieht, der findet interessante Infos im Artikel “Der große Bio-Schmäh” in dem der Autor selbst zu den vielen Kommentaren auch Stellung nimmt.

Links zum Thema Food Coop

Foodcoopedia - Infosammlung zum Thema Foodcoop

Food Coop Gründungscheckliste - Infos für Gründungsinteressierte

Umfangreiche Abhandlung zum Thema Foodcoop - Auswirkung auf Umwelt, Handel und Konsumenten

Foodcoops in Österreich

Bioparadeis, Wien 18

Möhrengasse, Wien 2

d’speis, Wien 15

Fresskorb, Wien 14

Krautkoopf in Graz

Marktplatz Staw in St. Andrä Wördern

Wer lieber selbst ernten will: Selbsternte für Städter

Foodcoops in Deutschland und der Schweiz

Liste der Foodcoops in Deutschland

Liste der Foodcoops in der Schweiz

Wer lieber selbst ernten will: Meine Ernte

 

Bildrechte: Artikelbild Gemüse © moodboard Premium Fotolia Vorschaubild und Artikelbild Karotte © Cthoman, dreamstime.com

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13 Kommentare

  1. Johannes Rittsteuer schrieb am 27. April 2012 um 13:05

    Hallo! Ich Erzeuge in meiner Sektkellerei und Weingut rein biologische Produkte somit sin wir die einzige Biosektkellerei in Österreich mit grundweinen aus eigenen Anbau, natürlich bin ich immer auf der Suche nach neuen Kunden wenn bei foodcop Interesse besteht bitte melden schöne Grüße aus jois

  2. Birgiene Uhl via Facebook schrieb am 6. Mai 2012 um 08:12

    Das ist Fakt. Das bemängle ich auch immer wieder: Dickmacher und gar gesundheitsgefährdende “Lebensmittel” werden zu Dumpinpreisen angeboten. Wer nicht so viel Geld hat, greift da zu. Doch sollen die wirklich guten, gesundmachenden Lebensmittel nur den Reicheren vorbehealten bleiben?

  3. Birgiene Uhl via Facebook schrieb am 6. Mai 2012 um 08:13

    Deshalb plätiere ich schon lange für ein BGE nach Vorbild des dm-Gründers Götz Werner und obendrein saftige Steueranhebungen für gesundheitsgefährdende und umweltschädigende Stoffe/Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten u.ä.

  4. biokontakte.com via Facebook schrieb am 8. Mai 2012 um 09:01

    und höhere preise für fleisch… sodass wir wieder zum “sonntagsbraten” zurückkehren

  5. Sarah Jehle via Facebook schrieb am 20. Mai 2012 um 16:34

    Und vor allem faire Preise für Erzeuger! das können wir auf verbraucherfreundliche Weise derart erreichen, dass wir den Zwischenhandel (Groß+Einzelhandel) und auch verarbeitende Lebensmittelindustrie konsequent umgehen und Kooperationen direkt mit den Landwirten schließen.
    => http://www.solidarische-landwirtschaft.org

  6. Sarah Jehle via Facebook schrieb am 20. Mai 2012 um 16:36

    (wer dazu konkrete Details, wie das in der Praxis aussehen kann, erfahren möchte, kann mich gern kontaktieren, bin hier in der Organisation der lokalen CommunitySupportedAgriculture-Kooperative tätig)

  7. Christoph F. Jugel via Facebook schrieb am 31. Mai 2012 um 09:05

    Toller Artikel! Wir haben im Econitor Magazin vor 6 Monaten auch mal davon berichtet (siehe http://bit.ly/tc5vh8) – inspiriert vor allem dadurch, dass einer unserer Kollegen eine studentische Food-Coop in Berlin nutzt und immer ganz begeistert davon erzählt hat… :-)

  8. regioware.de via Facebook schrieb am 31. Mai 2012 um 09:45

    Unabhänigkeit von den Konzernen wird enorm wichtig!

  9. Klaus HOCHKOGLER schrieb am 31. Mai 2012 um 15:13

    Würde auch gerne eine food-coop in Mödling starten. Wer macht mit?
    Kg
    Klaus

  10. Sarah Jehle via Facebook schrieb am 3. Juni 2012 um 23:22

    Noch eine Stufe weiter geht das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft, auch genannt Community Supported Agriculture:
    http://www.solidarische-landwirtschaft.org
    Unsre hiesige Kooperative umfasst mittlerweile 2 Höfe (der eine versorgt uns mit selbstgemachten Demeter-Rohmilchprodukten, der andere mit Demeter-Gemüse aus eigenem Anbau, beide kaufen praktisch nix zu), existiert seit nun knapp 2 Jahren und erfreut sich wachsender Beliebtheit :)

  11. Grünes Geld via Facebook schrieb am 12. Juni 2012 um 13:03

    Ein ganz tolle Idee! Gerade hatten wir eine Diskussion über die Lockerung des GEN-Verbotes in der EU. Da kommen die Foodcoops wie gerufen! Weiter so!

  12. Pingback: CSA – Solidarische Landwirtschaft schrieb am 25. Juli 2013 um 08:55

    [...] Möglichkeiten zur Selbstversorgung ohne eigenen Garten wären z.B. eine Food-Coop oder Selbsternte. [...]

  13. Raphael schrieb am 4. September 2014 um 16:10

    Bin interessiert an einer Foodcoop im Raum Mödling und würde mich diesbezüglich gerne mit Interessierten zusammensetzen. :)

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