Glycerin in Kosmetik – Teil 1: Definition, Aufgabe und Wirkung

BioBella | 11. Juli 2011 11:05 Uhr

Das Angebot an Naturkosmetik wird erfreulicher Weise immer größer. Mit den zahlreichen Produkten in verschiedensten Preisklassen kam bei mir zwangsläufig auch die Frage nach dem Qualitätsunterschied auf.

Immer wieder hört und liest man von Glycerin in Kosmetik. Ein Inhaltsstoff, der in der Liste der Inhaltsstoffe meist weit vorne zu finden ist und dem immer wieder auch negative Eigenschaften (austrocknend, macht Pickel, etc.) zugeschrieben werden.

Da ich mit einem etwas überdurchschnittlich ausgefallenen Interesse für Inhaltsstoffe ausgestattet bin, ließ mir diese offene Frage natürlich keine Ruhe ;) Ich selbst verwende die Produkte von RINGANA, weil bio, vegan und mit Frischegarantie. Ich bin aus Überzeugung Partnerin dieses Unternehmens und nachdem ich in der Volldeklaration einiger Produkte auch Glycerin gefunden habe, wollte ich der Frage nach dem Plus oder Minus des Glycerins auf den Grund gehen. Die Antwort suchte ich natürlich nicht beim Hersteller selbst sondern bei objektiver und unabhängiger Stelle.

Expertinnen-Meinung zum Thema Glycerin in Kosmetik

Was Glycerin ist, wie es erzeugt wird (pflanzlich, tierlich, synthetisch) und ob es nun gut oder schlecht für unsere Haut oder das Haar ist, war also die Frage.

Fundiertes Wissen zum Thema Glycerin in Kosmetik habe ich bei Frau Heike Käser, Expertin auf dem Gebiet Naturkosmetik gefunden. In einem Interview beantwortete sie meine Fragen zum Thema Glycerin in der Kosmetik. Frau Käsers Ausführungen sind sehr umfangreich. Nachdem Ihre Antworten aber durchwegs wissenswert sind, wollte ich diese nicht kürzen und habe mich entschlossen den Artikel in zwei Teilen zu veröffentlichen.

Was ist Glycerin eigentlich und welche Aufgabe übernimmt es in der Kosmetik?

Chemisch betrachtet ist Glycerin ein sogenannter 3-wertiger Alkohol. Ganz korrekt heißt es eigentlich Glycerol bzw. 1,2,3-Propantriol – die Endung »-ol« verweist auf die Stoffgruppe »Alkohol«, der es angehört.

Glycerin in Kosmetik weist primär 2 Funktionen auf: zum einen gilt es als Humectant, das sind Substanzen, die Feuchtigkeit im Produkt selbst halten und dafür sorgen, dass das Gel oder die Paste nicht austrocknen.

Sein Haupteinsatz erfolgt als feuchtigkeitsbindender (hydratisierender) Rohstoff, der im Produkt enthaltenes und aufgetragenes Wasser, aber auch Luftfeuchtigkeit bindet und auf der Haut festhält. Auf diese Weise mindert es hauteigenen Wasserverlust, der zu trockenen Hautzuständen führen kann.

Das Besondere an Glycerin – vor allem im Vergleich zu anderen hydratisierenden Substanzen – ist, dass es nach dem Auftragen tiefer in die Hornschicht eindringen und nicht so leicht ausgewaschen werden kann wie z. B. Harnstoff, Sodium PCA oder Natriumlaktat. Auf diese Weise mindert es die austrocknende und irritative Wirkung von Tensiden und Emulgatoren. Reinigungsprodukten wie Duschgelen, Reinigungsmilch oder Shampoos werden daher in der Regel höhere Mengen an Glycerin hinzugefügt.

Glycerin in Kosmetikprodukten erhöht die Elastizität der Haut, macht sie weich und schützt sie vor Austrocknung und Irritationen durch Tensidkontakt.

Neben den beschriebenen Eigenschaften weist Glycerin weitere positive Wirkungen auf: es wirkt stabilisierend auf Emulsionsstrukturen und senkt u. a. die sogenannte Wasseraktivität. Das bedeutet, es entzieht Mikroorganismen einen Anteil frei verfügbaren Wassers, den diese für ihre Vermehrung brauchen. So gesehen trägt Glycerin einen Anteil im Konservierungskonzept eines kosmetischen Produkts und unterstützt andere Konservierungsstoffe bei ihrer Arbeit.

Man hört oft davon, dass Glycerin in Kosmetik ab einer bestimmten Konzentration austrocknend wirkt und Haut und Haaren somit Feuchtigkeit entzieht. Was ist daran wahr?

Glycerin ist tatsächlich ein hygroskopischer Stoff, das heißt: es zieht Wasser an und kann es an sich binden. Diese Hygroskopie ist in seiner Ausprägung jedoch von der relativen Luftfeuchtigkeit abhängig. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit (und das ist die, die unsere Haut besonders stresst, weil sie dann vermehrt hauteigenes Wasser abdunstet), verringert sich die Wasseranziehungsfähigkeit von Glycerin deutlich.

Grundsätzlich ist eine niedrige Luftfeuchtigkeit für unsere Haut kritisch, zumal sie an kalte Witterung geknüpft ist: das hauteigene Wasser verdunstet, die Kälte führt zu einer schlechteren Spreitung des Sebums, und es entstehen Lücken im schützenden Film auf der Hautoberfläche. In dieser Situation sind reine Feuchtigkeitsemulsionen grundsätzlich überfordert. Eine fettreichere, einhüllende W/O-Emulsion kann hier hauteigene Defizite ausgleichen. Das Problem ist demnach nicht das Glycerin als isolierte Substanz, sondern das gesamte Emulsionskonzept, das nicht zu den klimatischen Bedingungen passt. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit bedarf es einer leichten »Semi-Okklusion« durch einen teilweise durchlässigen Lipidfilm einer Emulsion oder Gesichtsöls, um Wasser in der Haut zu halten. Glycerin kann dies unterstützen.

Was möchten Sie zum Thema Glycerin in Naturkosmetik noch sagen und muss man sich als Anwender Sorgen machen, wenn Glycerin im Lieblingsprodukt ist?

Was aus meiner persönlichen Sicht zählt, ist die Wirkung des konkreten kosmetischen Produkts auf die eigene Haut – diese basiert auf vielfältigen Faktoren. Wer mit einem Produkt gut zurecht kommt, darf es ohne Bedenken verwenden. Ich vermute, die Barriere befindet sich im Kopf: Teuer ist immer gut und was nicht viel kostet, kann nur schlecht sein. Ich stelle diese Gleichung in Frage. Hier treffen sich bewährte (und nachgewiesene) kosmetische Eigenschaften und ein attraktiver Preis.

Wem darüber hinaus Umweltaspekte wichtig sind, wird Bio-Glycerin aus pflanzlichen Fetten kontrolliert-biologischen Anbaus bevorzugen, wie sie von Naturkosmetik-Herstellern verwendet werden. Für mich in meiner selbst hergestellten Naturkosmetik ist pflanzliches Bio-Glycerin ein absolutes Basic.

Im 2. Teil von Glycerin in Kosmetik werden die Themen “Konventionell oder pflanzlich?” und “Konzentration: Ist weniger mehr?” behandelt. Freuen Sie sich auf weitere interessante Informationen der Naturkosmetik-Expertin. Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an Frau Heike Käser. Auf ihrer Website finden Sie auch viele hilfreich Tipps zum Naturkosmetik selber herstellen.

Interessanter Artikel: Herstellung von Tensiden aus landwirtschaftl. Abfällen für Naturkosmetik

Bildrechte: Vorschaubild © Cogipix, Fotolia.de – Artikelbild 1 und 2 © emmi, Fotolia.de – Artikelbild 3 © Sierpniowka, Dreamstime.com

Beitrag kommentieren

Kategorien: Kosmetik & Pflege

Tags: , , , , , , ,

weitere Beiträge von

15 Kommentare

  1. Pingback: Olionatura :: Das Naturkosmetik-Blog | Biobella schrieb am 11. Juli 2011 um 14:02

    [...] ich hatte Lust, einen Beitrag zu schreiben. Der erste Teil ist seit heute online. Kategorie: Allgemein, Interviews, Rohstoffe Tags: Biobella, Biokontakte, Blog, [...]

  2. Eliane Zimmermann schrieb am 24. Juli 2011 um 15:40

    diese glycerin-frage berwegt mich auch seit ich kosmetik selbst herstelle (seit circa 1988!!!) ich freue mich insbesondere auf teil 2 und auf das so umfassende wissen meiner kompetenten fette-öle-kollegin.

  3. Frieda schrieb am 28. April 2012 um 16:16

    Liebe Frau Stanzl,
    der Stoff Glycerin in Kosmetika und Pflegemitteln ist durchaus skeptisch zu betrachten. Oft haben chem. Stoffe, die von der Industrie, und denen, die für diesen Bereich arbeiten, wärmstens empfohlen werden, die gegenteilige Wirkung. Daher möchte ich Sie mit den Informationen des Mediziners und Chemikers! (er hat das Wissen!) Dr. Walter Mauch bekannt machen. Er informiert unter anderem auch über Glycerin und viele andere Stoffe und ihre tatsächliche Wirkung. Er ist in der Tat ein Aufklärer, der sich nicht von persönlichem Profit leiten lässt!
    Gespräch bei Youtube:

    http://www.youtube.com/watch?v=z22z2NDPlAM

    http://www.youtube.com/watch?v=87sDRKjn44I

    Sein Gesundheitsführer zum runterladen (kostenlos) – ist sehr zu empfehlen! Dr. Mauch handelt aus Verantwortung, Empörung und Nächstenliebe!

    http://www.deltablog.de/wp-content/uploads/2011/02/Flyer.Gesundheitsf%C3%BChrer.neu_.pdf

    Bei Interesse können Sie mir eine Mail schreiben.
    Liebe Grüße
    Frieda

  4. alexandra zeiger schrieb am 5. Januar 2013 um 19:40

    hallo zusammen,
    jup war auch grad auf der suche nach den nachteilen von glycerin..
    , weil schon allein das wort glycerin inn mir unbehagen auslöste.
    und da es ja überall fast drin ist mittlerweilen!!!!!!!!
    gerade eben nun massierte ich mir eine neue super schmackhafte sheabutter auf mein mund ;) ))))
    und ich empfand meinen mund danach als ultra fremdartig,
    ist gerade immer noch der fall wenn ich mal so hinspüre…….
    also deswegen herzlichen dank
    für die links liebe frieda,

    ich sehe das ganz genauso………

    kommt mir vor als wenn da jetzt nix mehr atmen kann unter meinem liebenswerten mund……….;)))))))))
    deswegen daumen nach unten für glycerin ;) ))))))

  5. Tina Serbing schrieb am 9. Januar 2013 um 15:33

    Liebe Frida, ich sehe Glycerin auch kritisch und verzichte lieber darauf. Aber dass du ausgerechnet Dr. Mauch empfiehlst ist doch wohl ein Scherz! So ein Scharlatan!

    LG Tina

  6. Denise schrieb am 30. Januar 2013 um 10:57

    @ Tina Serbing
    Es ist eher so, dass mit dem Namen Mauch Scharlatanerie betrieben wird. Er distanziert immer wieder von diesen Einlagen/Schuhen mit dem geklauten Namen Mauch und einem Internetshop mit dem geklauten Namen Mauch. Es gab diesbezüglich auch schon Gerichtsverhandlungen. Er schreibt Bücher zur gesunden Lebensweise, dessen Erlös für wohltätige Zwecke gespendet werden. Er ist ein sehr seriöser Mann. Leider wurde sein Name missbraucht.

  7. Pingback: Schöne Hände | EBR forum schrieb am 25. Juli 2013 um 14:55

    [...] Eine Handcreme bringt dafür schnelle Abbhilfe. Da sollte man besonders auf die Feuchtigkeitsfaktoren achten. Urea ist ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers und liefert große Feuchtigkeit, auch Glyzerin ist ein hilfreicher Feuchtigkeitsspender. [...]

  8. Doris Wibmer Falch schrieb am 28. September 2013 um 15:03

    Wir verzichten seit Jahren auf jegliches Glyzerin in unseren Inhaltsstoffen warum.

    Am besten ist immer den Stoff und das Produkt pur zu testen. Glycerin macht die Haut dicht und hindert die Haut in der natürlichen Regulationsfähigkeit. Auf Anhieb macht jedes Glycerin diesen typischen cremig und scheinbar feuchten Eindruck. Auf Dauer passiert folgender Effekt: Die Haut als Organ meldet Feuchtigkeitshaushalt ok , keine Feuchtigkeit produzieren. So verlernt die Haut systematisch das eigene Gleichgewicht und hört auf Feuchtigkeit zu produzieren, und die Pflegespirale beginnt. Toll für die Industrie, schlecht für die Haut. Wer die Pflege verstehen will, der sollte sich vorher mit der Funktionsweise der Haut auseinandersetzten: Buchtipp: Alles klar mit Haut und Haar. Susanne Kehrbusch. lg aus Tirol http: // www. tiroler-naturkosmetik. com glycerinfreie Kosmetik.

    Unser Ansatz ist die Haut in seiner Funktionsweise zu unterstützen. Die Haut nimmst sich was sie braucht Prinzip.

  9. Amy schrieb am 14. Januar 2014 um 21:22

    Danke, der Artikel hat mir sehr geholfen! Ich wollte mich über Glycerin und dessen Auswirkungen auf die Haut informieren und habe hier die benötigten Antworten gefunden :)

  10. Kosmetik-Check schrieb am 5. März 2014 um 08:21

    Danke zunächst für den Artikel zum Thema Glycerin und die damit verbundene Aufklärung.

    Interessant finde ich den in den Kommentaren erwähnten Herr Walter Mauch. Ob er sich vom primär Profit leiten lässt kann ich nicht beurteilen. Sekundär jedoch sicher, denn er verdient mit seinen Büchern zum Thema Geld.

    Habe mir die Bücher auf die Wunschliste gesetzet und werde mich hier sicher weiterbilden.

  11. BioBella schrieb am 9. März 2014 um 07:55

    Danke Amy für Dein positives Feedback! Alles Liebe, BioBella :)

  12. Anika schrieb am 2. Juli 2014 um 14:45

    “Glycerin ist in allen natürlichen Fetten und fetten Ölen als Fettsäureester (Triglyceride) vorhanden und spielt eine zentrale Rolle als Zwischenprodukt in verschiedenen Stoffwechselprozessen.”

    Aus Wikipeia! Man nimmt also auch auf natürliche Weise eine ganze Menge Glycerin zu sich. Glycerin ist einfach mal unschädlich.
    Um ganz sicher zu gehen muss man sich ja nicht jeden Tag damit einschmieren.

    Ich würde sogar persönlich von jeglicher Creme abraten, weil die Öle von allen verschiedenen Pflanzen oft Histamine mit sich bringen oder Allergien auslösen können. Stattdessen würde ich reines Glycerin verwenden aus guter Quelle. Eine Creme bekommt ihre Haupsächliche Wirkung durch Glycerin!

    Glycerin ist auch in Backwaren enthalten, und als Lebensmittelzusatz zugelassen.

    Außerdem besteht der Talg der Haut auch selbst zu 50% aus Triglyceriden, also nicht so weit entfernt von Glycerin selbst.

    Quelle: Wikipedia “Glycerin” und “Talgdrüse”

  13. Marie schrieb am 8. Januar 2015 um 21:33

    Hey Leute,
    hab mir hier eure Kommentare durchgelesen und Glycerin scheint wohl doch nicht so super zu sein. Hab auf dieser Homepage http://www.nachhaltiger-einkauf.de/wordpress/einkauf/kosmetik zum Thema nachhaltige Kosmetik die Prüfsiegel gefunden. Weiß einer von euch zufällig welche Produkte das sind? Hat einer von euch schonmal schlechte Erfahrungen mit Glycerin gemacht?
    LG

  14. Pingback: Was Mädels bewegt:Do it yourself – Feuchtigkeitsspendendes Gesichtsspray schrieb am 19. März 2015 um 22:51

    […] Falls ihr kein Glycerin benutzen wollt, könnt ihr das auch weglassen. Hier und hier findet ihr zwei interessante Artikel zum Thema […]

  15. Sonja von Westphal schrieb am 13. Dezember 2015 um 13:02

    Es gibt eine suuper Kosmetik in Bamberg. Morgenstern Naturkosmetik. Alles verwandt mit körpereigenen Fetten, was da verwendet wird.

Hinterlasse einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit Pflichtfeld gekennzeichnet.

Durch die Abgabe Ihres Kommentares gestatten Sie biokontakte.com diesen auf dieser Website zu veröffentlichen.
Bitte beachten Sie, daß unangebrachte, irrelevante oder beleidigende Kommentare durch den Administrator gelöscht werden.